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Symposium "Biodiversität - Vielfalt zwischen Klimawandel und ökonomischen Erfordernissen

Das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung, Weinbau und Forsten und die Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz haben am 14. April 2008 in der Akademie der Wissenschaften und der Literatur das Symposium ?Biodiversität. Vielfalt zwischen Klimawandel und ökonomischen Erfordernissen? veranstaltet. Das Symposium war Auftakt einer Fülle von Veranstaltungen, die in Rheinland-Pfalz das ?Jahr der Biodiversität? thematisieren.



© Stiftung Natur u. Umwelt RLP



© Stiftung Natur u. Umwelt RLP

Umweltministerin Margit Conrad eröffnete das Symposium mit 10 Thesen zur Biodiversität in Rheinland-Pfalz, die die weitere Ausrichtung der Naturschutzpolitik des Landes beschreiben. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel erläuterte die nationalen und internationalen Aspekte der Biodiversitätspolitik der Bundesregierung und plädierte vor diesem Hintergrund für ein UGB, das hinter den gegenwärtigen Standards nicht zurückbleibt.

Prof. em. Wolfgang Haber, TU München, zeigte in seinem Eröffnungsvortrag über ?Biodiversität zwischen Mythos und Wirklichkeit? den aktuellen Stand des naturwissenschaftlichen Wissens zu ?Biodiversität? auf und begründete, dass insbesondere die Fokussierung auf den Artenschutz keine effektive Biodiversitätsstrategie sein könne. Stattdessen müsse das Augenmerk auf die nachhaltige Entwicklung der Landnutzungen und der entsprechenden Landschaftsstrukturen gerichtet werden.

Frau Dr. Uta Eser, Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen, ging der Geschichte des Begriffs ?Biodiversität? nach. Es handle sich hier um einen Begriff, der sich schlussendlich als ?Grenzgänger? zwischen Naturwissenschaften und Politik entpuppe. Prof. Matthias Bürgi, Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft, Birmensdorf/Schweiz, analysierte die Planbarkeit von Biodiversität. Eine zentrale Rolle wies er dabei der Raum- und Landesplanung zu.

Der Nachmittag verfolgte zwei Themenschwerpunkte: ?Biodiversität zwischen Ökonomie und Ethik? und ?Biodiversität im Klimawandel?.

Den ersten Themenschwerpunkt eröffnete Prof. Timo Goeschl, Universität Heidelberg, mit einem engagierten Plädoyer für die Kooperation von Volkswirtschaft und Naturschutz, die eine effektive Erhaltung der Biodiversität ermögliche. Prof. Dieter Rink, UFZ Leipzig, wies auf der Basis empirischer Studien nach, dass ?Biodiversität? in der Gesellschaft als positiv besetzt gelten könne, aber gleichzeitig die Inhalte des Begriffs bisher kaum bekannt seien. Frau Dr. Christina Aus der Au, Universität Basel, eröffnete eine neue Sicht auf theologisch-ethische Perspektiven auf Mensch und Biodiversität.

Der zweite nachmittägliche Schwerpunkt rückte den Klimawandel in den Mittelpunkt. Prof. Katrin Böhning-Gaese, Universität Mainz, wies anhand von Datenreihen im Bodenseegebiet eine Veränderung der Avifauna nach, die sie auch als Zeichen der Auswirkungen des Klimawandels interpretierte. Prof. Klaus Henle, UFZ Leipzig, betonte die Notwendigkeit, Schutzgebietssysteme insbesondere im Kontext von NATURA 2000 effektiver zu gestalten, um auch angesichts des Klimawandels die in den Richtlinien gesteckten Ziele erreichen zu können. Prof. Josef H. Reichholf, Zoologische Staatssammlung München, legte anhand langjähriger Zeitreihenuntersuchungen insbesondere aus München und Umgebung dar, dass die Stadtnatur und ihre Dynamik als Modellraum für die Prognostizierung der Folgen des Klimawandels auf die Artenzusammensetzung angesehen werden könne. Auf Basis seiner Untersuchungen misst er Veränderungen der Landnutzung größeren Einfluss auf die Entwicklung von Populationen der Tierwelt zu als dem prognostizierten Klimawandel.



© Stiftung Natur u. Umwelt RLP

 

Das Symposium wurde fachkundig und engagiert durch Prof. Hartmut Vogtmann, Präsident der Stiftung Europäisches Naturerbe/Euronatur, moderiert. In seinem Schlusswort plädierte Prof. Vogtmann nachdrücklich dafür, die Chancen der ökologischen Landnutzung für die Erhaltung von Biodiversität national, aber auch weltweit zu erkennen und zu nutzen.

Rund 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Rheinland-Pfalz, anderen Bundesländern und den angrenzenden EU-Mitgliedstaaten verfolgten die Vorträge mit regem Interesse und Diskussionsfreude. Eine Dokumentation des Symposiums wird in der Reihe ?Denkanstöße? der Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz voraussichtlich nach der Sommerpause 2008 erscheinen.