
Erlebnistag 10 Jahre ""Aktion Blau""
Umweltstaatssekretärin Jacqueline Kraege: ""39 Gewässer in Rheinhessen naturnah gestaltet "" Landesförderung jetzt bis zu 90 Prozent""
Die Aktion Blau hat im Bereich Mainz und Rheinhessen nicht nur den Rückbau von zahlreichen Flüssen und Bächen zu naturnahen Gewässern verwirklicht, sondern auch eine neuen Planungskultur hervorgebracht. In dem Projekt ""Eine Region im Gespräch"", entwickelten Bürgerinnen und Bürger, Vereine, Verbände und Kommunen im offenen Dialog ein Leitbild für die künftige Entwicklung der Rheinaue. Drei Schlüsselprojekte wurden zwischenzeitlich umgesetzt.
In einem davon, im ""Erlebnisraum Jungaue"" in Ingelheim, fand jetzt der regionale Erlebnistag zum 10-jährigen Bestehen der Aktion Blau für die Landkreise Alzey-Worms und Mainz Bingen mit den kreisfreien Städten Mainz und Worms mit den größeren Gewässern Pfrimm, Seebach, Flügelbach, Selz, Wälzbach, Wiesbach Appelbach, Nahe und Rhein statt.
Unter dem Motto ""Abenteuer zwischen Rhein und Selz"" hatte Umweltstaatssekretärin Jacqueline Kraege Kinder, Jugendliche, Familien und die Akteure vor Ort eingeladen, mehr zu erfahren über unsere Gewässer und naturverträglichen Hochwasserschutz. Diese und weitere regionale Veranstaltungen dienen dazu, mit allen, die sich für die Aktion Blau engagieren, vor allem mit den gewässerunterhaltungspflichtigen Verbandsgemeinden und Landkreisen, den Bachpaten, Landwirten, Verbänden sowie den Grundstückseigentümern den gemeinsamen Erfolg zu feiern.
Für Maßnahmen der Gewässerrenaturierung und ""entwicklung sind im Bereich um Mainz insgesamt rund 5,8 Mio Euro investiert worden. Derzeit liegen 39 Rückbauprojekte vor, die eine Strecke von 24,2 Kilometern umfassen. 30 Projekte davon sind bereits abgeschlossen, neun in Planung. Außerdem wurden 27 Gewässerpflegepläne für eine Strecke von 513,3 Kilometer erstellt; 23 dieser Pläne befinden sich in der Umsetzung.
""Wir wollen durch Renaturierung den Gewässern ihr natürliches Bett zurückgeben und die Auen wiederherstellen"", sagte Umweltstaatssekretärin Kraege. ""Damit wird der natürliche Hochwasserrückhalt erhöht. Dies dient dem Wohl von Pflanzen und Tieren und auch den Menschen.""
Sie dankte allen, die in die Aktion Blau eingebunden sind. ""800 Bachpatenschaften zeigen, dass das Ehrenamt auch im Umweltschutz große Bedeutung hat."" 53 Bachpatinnen und ""paten betreuten in Rheinhessen Gewässer von einer Länge von 127 Kilometern, stellte sie fest. Mit die größte Gruppe unter den Bachpaten seien die Angelvereine wie zum Beispiel der ASV Wörrstadt 1978 e.V., der am Wiesbach bei Wallertheim sehr aktiv bei Pflege- und Biotoparbeiten ist.
Auch die Naturschutzverbände, etwa die BUND-Ortsgruppe Osthofen, seien sehr aktiv, etwa am Seebach. Kraege: ""Die Naturschutzverbände sind die natürlichen Partner der Aktion Blau. In Rheinhessen engagieren sich insbesondere das NABU Naturschutzzentrum Rheinauen sowie die NABU Ortsgruppe Alzey und Umgebung, die BUND Ortsgruppen Mainz und Alzey, die Naturschutzgruppe Ingelheim, die Gesellschaft Mensch und Natur und die GNOR.""
Umweltstaatsseketärin Kraege nannte Beispiele für
die Erfolge der Aktion Blau und für künftige Projekte:
Die renaturierte Selz und das angrenzende Naturschutzgebiet ""Hahnheimer Bruch"" haben sich zu einem Kleinod und optischen Anziehungspunkt in der Agrarlandschaft Rheinhessens entwickelt. Die Erweiterung des Pilotprojektes Richtung Norden ab der Darmstadtsmühle bis zur Bahnlinie steht über eine Fläche von über 30 Hektar unmittelbar bevor. Darüber hinaus sind zwei umfangreiche Projekte in den Gebieten Gau-Odernheim und Friesenheim geplant.
Zahlreiche Renaturierungsmaßnahmen wurden erfolgreich umgesetzt, etwa des Saubaches bei Jugenheim, des Wiesbaches, des Rheinufers bei Budenheim mit Rückbau des Brecherwerkes oder der Sandlache bei Ingelheim.
Durch das Engagement von Umweltverbänden wie GNOR, NABU und BUND konnten auch die Auen durch das Anlegen von Feuchtbiotopen aufgewertet werden.
Als nächstes großes Projekt ist die Renaturierung des Seegrabens in der Gemarkung Worms hervorzuheben. Der Seegraben soll über eine Strecke von 2,5 Kilometer großzügig renaturiert und naturnah gestaltet werden. Im Rahmen der Aktion Blau wurden schon 30 Hektar Flächen erworben (Kosten rund 500.000 Euro), die im Rahmen eines Flurbereinigungsverfahrens zusammenhängend entlang des Gewässers umgelegt und sich dann über eine Breite von bis zu 200 Meter erstrecken werden. Es ist eine extensive Nutzung der Wiesen und Weiden geplant "" damit entsteht zukünftig ein hochwertiges Biotop von landesweiter Bedeutung für Wiesen- und Watvögel.
Wichtig auch die Rückbauprojekte an der Pfrimm und der geplante Umbau des Appelbaches in Wöllstein.
Auch durch das umfangreiche Naheprogramm sind in der Region Rheinhessen verschiedene Projekte realisiert worden: im 4000 Quadratkilometer großen Einzugsgebiet der Nahe wurden entlang von Flüssen und Bächen mit einer Länge von über 5600 Kilometer an den hochwassergefährdeten Gewässern auf einer Länge von 525 Kilometern Überschwemmungsgebiete ausgewiesen, 54 Rückhaltemaßnahmen mit rund 150.000 Kubikmetern Retentionsvolumen geschaffen und für die Gewässerent-wicklung fast 310 Kilometer Gewässerrandstreifen ausgewiesen. Investitionen in Höhe von 60 Mio. Euro wurden in den vergangenen zehn Jahren für Gewässerrenaturierung und die Bodenordnung im Bereich der Nahe umgesetzt. Ökologisch standortgerechte Landnutzung, Renaturierung der Bachauen und Schaffung natürlicher Retentionsräume zum Hochwasserschutz sind die wichtigsten Elemente des wegweisenden Projektes.
Das Land erhöht künftig die Förderung von Renaturierungsmaßnahmen von bis zu 80 auf bis zu 90 Prozent.
Staatssekretärin Kraege bezeichnete es als großartigen Fortschritt, dass die Bäche und Flüsse im Land wieder weitgehend sauberes Wasser führen. ""Hier wurden in den letzten Jahrzehnten enorme finanzielle Anstrengungen für den Bau von Kanälen und Kläranlagen unternommen.""
Für den Bau von kommunalen Kläranlagen wurden in den vergangenen 40 Jahren etwa 6 Mrd. Euro ausgegeben. Industrie und Gewerbebetriebe hätten einen etwa gleich hohen Betrag investiert. Waren vor 30 Jahren noch mehr als 30 Prozent der Gewässer stark oder übermäßig verschmutzt, so sind es heute nur 1,5 Prozent. Durch die gemeinsamen Anstrengungen haben über 90 Prozent der Gewässer die Güteklasse II oder besser erreicht.
Intakte Gewässer sind jedoch mehr als nur sauberes Wasser. Auch das Gewässerbett und sein Umfeld spielen eine Rolle. Neben der Wasserqualität gelte es daher, im Rahmen der ""Aktion Blau"" Gewässer von Hindernissen für Fische und andere Lebewesen zu befreien, Begradigungen von Fluss- und Bachläufen wo möglich zurückzubauen, Auen wiederherzustellen und Bepflanzungen vorzunehmen.
Die Bilanz der Aktion Blau ist beeindruckend: Es gibt landesweit mittlerweile über 250 Gewässerpflegepläne, die eine Gewässerstrecke von insgesamt rund 4.000 Kilometern umfassen; das entspricht über einem Viertel der gesamten Wasserläufe in Rheinland-Pfalz. 500 Gewässerrückbauprojekte, 320 Kilometer lang, befinden sich in Planung oder Umsetzung. Mit einer Vielzahl erfolgreicher Projekte und Investitionen in Höhe von rund 70 Mio. Euro hat sich die Aktion Blau zu einer Erfolgsstory entwickelt. Die Bürgerinnen und Bürger sind eingebunden: landesweit 800 Bachpaten bilden ein wichtiges Bindeglied zwischen der Bevölkerung und den Gewässerunterhaltungspflichtigen. Sie zeigen, dass das Ehrenamt auch im Umweltschutz große Bedeutung hat.
Kraege: ""Die Gewässerentwicklung ist eine Generationenaufgabe.
Dieser Prozess wird mehr Zeit beanspruchen als die Wiederherstellung der Wasserqualität in den 70er und 80er Jahren. Er erfordert die tatkräftige Zusammenarbeit vieler gesellschaftlicher Gruppen auf lokaler, regionaler aber auch internationaler Ebene. Die europäische Wasserrrahmenrichtlinie ist richtungsweisend und sie bestätigen die nicht zuletzt von der Aktion Blau geprägte Wasserwirtschaftspolitik in Rheinland "" Pfalz. Europa bringt uns deutliche Fortschritte, was die inhaltlichen Ziele und Instrumente betrifft. Es verlangt uns wegen der Verbindlichkeit bei den Zielen und den Zeitvorgaben aber auch einiges ab. Mit der Aktion Blau sind wir für diese Aufgaben gut gerüstet.""
Herausgeberin: Staatsministerin Margit Conrad
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