
Vor 20 Jahren hat der Hochwassermeldedienst in Rheinland-Pfalz seinen Dienst aufgenommen. Heute ist er für die Menschen an Rhein, Mosel, Saar, Sauer und Our, Lahn, Sieg sowie Nahe und Glan die wichtigste Informationsquelle, wenn ein Hochwasser droht.
1986 wurde der Hochwassermeldedienst von der Wasserwirtschaftsverwaltung des Landes und der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes für die Flüsse in Rheinland-Pfalz eingerichtet. Nach den großen Rheinhochwassern 1988 wurde der Dienst bis Köln und 1993/95 auf die gesamte deutsche Rheinstrecke ausgedehnt. Es bestehen Verwaltungsabkommen mit Frankreich und Luxemburg für das Moselgebiet. Mit den Bundesländern Hessen, Saarland, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg hat Rheinland-Pfalz eine enge Zusammenarbeit vereinbart.
""Hochwasser ist ein Naturereignis, das sich nicht verhindern lässt. Aber wir können Schäden abwenden und hier ist der Hochwassermeldedienst ein wichtiges Instrument"", stellt Umweltministerin Margit Conrad zum 20-jährigen Bestehen der Serviceeinrichtung statt. ""Wir haben unsere Leistung stetig verbessert, damit den betroffenen Anrainern möglichst Zeit bleibt, um zwischen dem Anlaufen eines Hochwassers und dem Eintritt der kritischen Hochwasserstände Vorsorgemaßnahmen zu nutzen.""
Integriertes Hochwasserschutzkonzept
Der Meldedienst ist ein Element des integrierten Hochwasserschutzkonzeptes von Rhein-land-Pfalz, das seit Anfang der 1990er Jahre besteht. Es bezieht neben der Förderung des natürlichen Wasserrückhalts in der Fläche sowie dem technischen Hochwasserschutz durch sichere Deiche, Rückhalteräume und örtliche Hochwasserschutzmaßnahmen die Hochwasservorsorge zur Vermeidung von Schäden und zur Stärkung der Eigenvorsorge mit ein. Es geht, zum Beispiel am Oberrhein, um die Sicherheit von 700.000 Menschen und den Schutz von Vermögenswerten von bis zu 13 Milliarden Euro. Conrad: ""Einer gut funktionierenden Vorhersage kommt hier große Bedeutung zu.""
Neben dem Hochwassermeldezentrum Rhein in Mainz bestehen in Rheinland-Pfalz die Meldezentren Mosel in Trier und Nahe-Lahn-Sieg in Koblenz. Die Investitionskosten zum Aufbau der technischen Infrastruktur für den Hochwassermeldedienst seit 1986 betrugen rund 5 Millionen Euro. Für den weiteren Ausbau und die technische Anpassung der Zentren sind jährlich rund 0,5 Millionen Euro erforderlich. Die Arbeitsplatzkosten (Personal sowie Übertragungsgebühren für Daten und Informationen) betragen bei gleichzeitigem Betrieb der drei Meldezentren täglich 7.500 Euro.
So arbeiten die Meldezentren
Der Hochwassermeldedienst am Rhein ist dreistufig organisiert. Mit jeder Stufe ist eine zeitliche und personelle Ausweitung des Hochwassermeldedienstes sowie eine Intensivierung der aktuellen Informationen verbunden.
Der Hochwassermeldedienst wird mit einem Hochwasserlagebericht eröffnet, wenn zum Beispiel an einem der Meldepegel am Rhein Wasserstände der Marke 1 erreicht oder überschritten sind (Tabelle). Bei Erreichen der Marke 2 wird die Schifffahrt eingestellt. Ab Marke 3 sind die Wasserstände so hoch, dass konkrete Gefährdungen für die Bevölkerung bestehen. Der Meldedienst arbeitet dann rund um die Uhr.
Meldepegel | Marke 1 (Meldehöhe) | Marke 2 (HSW II) | Marke 3 (Nachtdienst) |
Pegel Maxau | 650 / 700 cm | 750 cm | 840 cm |
Pegel Mannheim | 650 cm | 760 cm | 800 cm |
Pegel Speyer | - | - | 800 cm |
Pegel Mainz | 550 cm | 630 cm | 700 cm |
Pegel Koblenz | 450 cm / 500 cm | 650 cm | 700 cm |
Die Hochwassermeldezentren erstellen "" wenn Schäden zu erwarten sind auch in Nachtschicht - aktuelle Hochwassermeldungen mit folgenden Informationen:
- die aktuellen Wasserstände mit Tendenzen
- Hochwasservorhersagen mit Erstellungszeit und Bezugszeit
- Ggf. die eingetretenen Hochwasserscheitel mit Eintrittszeit.
Die Aktualisierung der Wasserstände für den Rhein erfolgt in Abhängigkeit von der Hochwasserlage stündlich. Die Hochwasservorhersagen werden alle 3 Stunden jeweils für die nächsten 6, 24 und 48 Stunden (letztere als Abschätzung) aktualisiert.
Der Meldedienst hat seit 1995 seine Warnzeiten verlängert und die Vorhersagen präzisiert. Die drei Hochwassermeldezentren geben bei Hochwasser Vorhersagen
- für den Rhein für 24 Stunden und Abschätzungen bis zu 48 Stunden,
- für Mosel und Saar Vorhersagen für 12 Stunden und Abschätzungen bis zu 24 Stunden (Vorhersagen 1995: 6 Stunden),
- für die anderen Flüsse Vorhersagen für 6 Stunden (1995: 3 Stunden) und Abschätzungen bis zu 12 Stunden heraus.
Die aktuellen Hochwassermeldungen werden allen zuständigen Stellen und den vor Ort direkt Betroffenen auf vier Informationswegen zugänglich gemacht:
- Videotext ""Südwest-Text"" des Südwestrundfunks (Tafel 800, 801)
- Rundfunk (SWR 1., 3 und 4; Radio RPR 1 und 2)
- Internet www.hochwasser-rlp.de
- Mobilfunk (WAP-Service): wap.hochwasser-rlp.de
Die Mitarbeiter der Hochwassermeldezentren beantworten, soweit möglich, auch telefonische Anfragen zur Hochwasserlage.
Alle in den Hochwassermeldedienst einbezogenen Pegel geben über die einheitliche Rufnummer 19429 den aktuellen Wasserstand über Anrufbeantworter an.
Umweltministerin Conrad dankte den Medien für die langjährige Zusammenarbeit: ""Es ist wichtig, dass die Informationen rechtzeitig die vom Hochwasser Betroffenen erreichen. Hier sind Presse, Hörfunk und Fernsehen wichtige Partner, die helfen, die Vorhersagemeldungen zu verbreiten. Ich danke Ihnen für diese erfolgreiche Zusammenarbeit im Dienste der Menschen an unseren Flüssen.""
Hochwassermeldedienst wird weiter ausgebaut
Der Hochwassermeldedienst stützt sich auf Fachkompetenz und wird fortlaufend weiter entwickelt
Aktuelle Vorhaben:
- Verbesserung der Niederschlagesvorhersagen des Deutschen Wetterdienstes durch neue Methoden;
- Verbesserung des internationalen Datenaustausches zum Beispieä mit Frankreich und Luxemburg für das Moseleinzugsgebiet;
- verbesserte Abstimmung mit den Bundesländern Nordrhein-Westfalen und Hessen, die bisher keinen Hochwassermeldedienst haben, für die Sieg und die Lahn;
- bis 2008 die Entwicklung eines Hochwasserfrühwarnsystems auch für kleine Gewässereinzugsgebiete in ganz Rheinland-Pfalz, in denen wegen der kurzen Fließzeiten klassische Hochwasservorhersagen nicht möglich sind.
Weitere Information im Internet unter: www.hochwasser-rlp.de
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