
Anlässlich der Preisverleihung des rheinland-pfälzischen Tierschutzpreises 2007 hob Umweltministerin Margit Conrad die große Bedeutung des ehrenamtlichen Engagements im Tierschutz hervor. Sie begrüßte die Entscheidung der EU, den Handel von Katzen- und Hundefellen zu verbieten.
Die diesjährigen Preisträger des mit insgesamt 6.000 Euro dotierten Preises sind die Taubengruppe der Stadt Bad Kreuznach und die Arbeitsgemeinschaft Tierschutz der Bienwaldschule in Wörth.
In der Stadt Bad Kreuznach bestanden trotz Fütterungsverbot und teilweiser Tötung erhebliche Verschmutzungsprobleme durch Tauben. Der Verein ""Menschen für Tier-rechte Rheinland-Pfalz"" entwickelte zusammen mit Vertretern der Stadt ein integratives Gesamtkonzept zur tierschutzkonformen Bestandsregulierung der Stadttauben. Anfang März 2006 wurde der erste Taubenschlag in Betrieb genommen, zwei weitere kamen hinzu.
Neben der deutlichen Reduzierung und Gesundung der Stadttauben-Population hat das Projekt auch zu einem erheblichen Rückgang der Kosten für die Stadt- und Gebäudereinigung geführt. Die fachliche Beratung wurde vom Verein Menschen für Tierrechte Rheinland-Pfalz e.V. übernommen.
Im bundesweiten Städtevergleich der knapp 40 Städte, die das Konzept eingeführt haben, nimmt Bad Kreuznach in der Umsetzung einen Spitzenplatz ein, denn die Stadt hat etwa 95 Prozent der Tauben an Schläge gebunden, städtische Gebäude für die Schlageinrichtungen zur Verfügung gestellt, den Ausbau und die Kosten für die Schlageinrichtungen übernommen, die Futterkosten sowie alle andere anfallenden Kosten, die im Rahmen der Betreuung der Tiere anfallen, übernommen sowie eine Betreuungsgruppe für die Versorgung der Tauben eingerichtet.
""Die vertrauensvolle Kooperation von Ehrenamt und Behörde hat hier überzeugt und wir hoffen mit diesem positiven Beispiel auf eine Signalwirkung bei anderen Kommunen im Land"", so Umweltministerin Conrad.
Die Arbeitsgemeinschaft Tierschutz der Bienwaldschule in Wörth engagiert sich in vielfältiger Weise. Im Unterricht setzt man sich mit vielerlei Missständen wie z.B. mit Massentierhaltung, Tierversuchen, Tiertransporten, Pelztierfarmen, Tötung und Misshandlung herrenloser Tiere, auseinander. Die Schüler führten Unterschriftsaktionen gegen Walfang und gegen Felle aus China durch. Sie machten mit sonstigen Aktionen auf aktuelles Elend z.B. Wildtiere im Zirkus, Legebatterien und Mastschweinhaltung etc. aufmerksam. Das Schreiben von kritischen Leserbriefen sowie die Teilnahme an Tierschutzdemonstrationen sind selbstverständlicher Teil des Arbeitsprogramms.
Um im einzelnen Tiernotfall jeweils gleich finanziell eingreifen zu können, führt die Arbeitsgemeinschaft immer wieder Flohmärkte durch. Wo Hilfe im großen Stil ange-sagt ist, wird darüber hinaus zu Spenden aufgerufen (Futter-Sammlung für Hunde im Winter 2006, Rettung süditalienischer Hunde vor dem Hungertod, Unterstützung des örtlichen Tierschutzvereins ""Sonnenschein").
""Dieses vielfältige Heranführen von Kindern und Jugendlichen an regionale und überregionale Tierschutzprobleme ist bemerkenswert"", hob die Ministerin hervor. Tierschutzthemen werden nicht nur in der Schule, sondern auch in der Freizeit diskutiert. Die Jugendlichen dienen als Multiplikator nach außen und erhalten eine Prägung und Sensibilisierung für ihr weiteres Leben. Der Preis soll andere Schulen anregen, vergleichbare Projekte durchzuführen.
Conrad verwies auf den hohen Stellenwert des Tierschutzes in Rheinland-Pfalz. Als Beispiel nannte sie die Initiativen, in Rheinland-Pfalz Tierversuche weiter zu verringern und durch Alternativmethoden zu ersetzen, um die Anzahl der Tierversuche auf das absolut unerlässliche Maß zu beschränken. Seit 1992 fördert das Land Rheinland-Pfalz darüber hinaus Forschungsprojekte zur Entwicklung von Ersatzmethoden zum Tierversuch. So hat das Land hat 2007 mit rund 71.000 Euro ein Forschungsprojekt an der Technischen Universität Kaiserslautern gefördert. In diesem Projekt soll ein Verfahren getestet werden, das Tierversuche bei der Prüfung von Arzneimitteln auf unerwünschte Nebenwirkungen ersetzen soll. In diesem Zusammenhang hat die Landesregierung auch einen Forschungspreis in Höhe von 20.000 Euro für die Entwicklung von Alternativen zum Tierversuch vergeben. Der Preis soll einen Anreiz setzen und die Bemühungen um die Forschung in diesem Bereich verstärken.
Auch die ehrenamtliche Arbeit in Tierschutzvereinen und von Privatpersonen ist nach Worten von Umweltministerin Conrad von hoher Bedeutung. Als Anerkennung für diesen Einsatz fördert das Land Rheinland-Pfalz Tierschutzvereine und Tierheime finanziell. In diesem Jahr erhielten Tierheime insgesamt rund 170.000 Euro an Zuschüssen. Tierschutzorganisationen, die keine Tierheime unterhalten und private Initiativen zum Tierschutz wurden 2007 mit insgesamt rund 54.000 Euro unterstützt.
Die Jury für die Vergabe des Tierschutzpreises setzt sich aus zwei Vertretern des Umweltministeriums, zwei Mitgliedern des Tierschutzbeirates des Landes sowie einem Vertreter des Landesuntersuchungsamtes zusammen. Vorschlagsberechtigt sind das Ministerium sowie seine nachgeordneten Behörden, die für den Vollzug des Tierschutzgesetzes zuständig sind, der Tierschutzbeirat des Landes sowie alle Vereine, Verbände und Gruppen, die auf dem Gebiet des Tierschutzes aktiv sind.
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