
In der Nacht vom Donnerstag auf den Freitag haben die belgischen Behörden einen Störfall in einem Institut für Radioelemente in Fleurus gemeldet. Der Störfall wurde vorläufig in die INES-Stufe 3 (Ernster Störfall, sehr geringe Freisetzung: Strahlenexposition der Bevölkerung in Höhe eines Bruchteils der natürlichen Strahlenexposition) eingestuft. In dieser Anlage werden Radioisotope für die medizinische Therapie hergestellt. Eine ""ECURIE-Meldung"" informierte darüber, dass im nordöstlichen Sektor der Anlage bis zu einer Entfernung von 5 Kilometern vorsorglich Einschränkungen für den Genuss von Nahrungsmitteln wie Frischmilch, Früchte und Gemüse ausgesprochen worden seien.
Das rheinland-pfälzische Umweltministerium hat unverzüglich die automatischen Radioaktivitätsmessstellen im Land abgerufen. Es wurde keine Erhöhung der Radioaktivität in der Umwelt festgestellt.
Nach Mitteilung des Bundesumweltministeriums sind aufgrund der geringen Freisetzungsmengen und der Entfernung zur deutschen Grenze keine radiologisch relevanten Auswirkungen zu erwarten, die Vorsorgemaßnahmen erforderlich machen würden. Es wurden daher vom hierfür zuständigen BMU keine Maßnahmen gemäß dem Strahlenschutzvorsorgegesetz veranlasst.
Ministerin Conrad erklärt hierzu: ""Dies ist ein schwerer Störfall mit hochradioaktiven Stoffen. Umso mehr erstaunt es, dass über diesen Störfall, der sich bereits vor einigen Tagen ereignet hat, erst jetzt informiert wird. Ich habe daher das Bundesumweltministerium gebeten, bei den zuständigen belgischen Behörden Aufklärung über Entstehung und Ablauf des Störfalls, die getroffenen Maßnahmen und die Gründe für die verzögerte Information der deutschen Behörden zu verlangen. Außerdem habe ich das Bundesumweltministerium gebeten, eine Bewertung der Abläufe vorzunehmen.""
Das ist bekannt:
Heute meldete das Bundesumweltministerium (BMU) an alle Bundesländer, dass sich am 25.08.2008 im Institut für Radioelemente im belgischen Fleurus ein Störfall ereignet habe. Fleurus liegt 120 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. Bei diesem Störfall seien 45 Gigabecquerel Iod-131 über die Abluft freigesetzt worden. Diese Freisetzung könnte nach Mitteilung des BMU am Zaun des Betriebsgeländes im ungünstigsten Fall eine Dosis von 160 Mikrosievert hervorrufen (etwa ein Zehntel der jährlichen natürlichen Strahlenexposition). Die belgische Atomaufsichtsbehörde habe daraufhin die Einstellung des Betriebs in dieser Anlage veranlasst.
Das belgische Institut für Radioelemente in Fleurus stellt Radioisotope für die medizinische Therapie her. Iod-131 wird insbesondere für die Therapie von Schilddrüsenerkrankungen eingesetzt.
Am 25.08. um 17.30 Uhr seien laut BMU die belgischen Atomaufsichtsbehörde AFCN vom Betreiber informiert worden, dass es über das Wochenende (23. bis 24.08.) eine Erhöhung der Iod-Ableitungen über den Fortluftkamin gegeben habe. Diese Freisetzung stehe im Zusammenhang mit Umfüllarbeiten an Tanks für flüssige radioaktive Abfälle. Die Ursache für die Freisetzung sei noch nicht geklärt. Die Umstände wiesen aber auf ein zeitweises Versagen der Iodfilter im Abluftkamin hin. Das belgische Messnetz TELERAD habe in dieser Zeit keine Erhöhung des Strahlenpegels in der Umgebung feststellen können.
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