
Die Märkte der Zukunft sind grün. In Rheinland-Pfalz und Deutschland haben sich insbesondere der Markt der Umwelttechnologien und der umweltfreundlichen Energieerzeugung zu Wirtschaftszweigen von beachtlicher Bedeutung entwickelt. Viele heimische Unternehmen sind in diesen Bereichen weltweit tätig.
Von strategischer Bedeutung für mehr Umweltschutz, Ressourcenschonung und Energieeffizienz ist die Kreislaufwirtschaft. Dabei geht Rheinland-Pfalz mit einer landesweiten Kreislaufwirtschaftsstrategie über das deutsche Kreislauf- und Abfallwirtschaftsgesetz hinaus.
Umweltministerin Margit Conrad und Professor Dr. Peter Heck vom Institut für angewandtes Stoffstrommanagement (IfaS) am Umwelt-Campus Birkenfeld stellten heute zusammen mit Vertretern rheinland-pfälzischer Firmen die erfolgreiche Strategie einer Kreislaufwirtschaft sowie eine Broschüre zu diesem Thema vor. Die Broschüre zeigt sowohl für Recycling- wie Verwertungsverfahren an konkreten Beispielen Potenziale und Geschäftsfelder auf. So werden die vielfältigen Verfahren für Verwertung von Altmetall und Elektroschrott, von Altpapier- und Bauschuttrecycling oder die energetische Verwertung von Klärschlämmen zum Beispiel in der Zementindustrie oder von Bioabfällen in Biogasanlagen vorgestellt. Gleichzeitig präsentiert die Broschüre rheinland-pfälzische Kompetenzen und Unternehmen, die im In- und Ausland in diesem Wirtschaftsbereich tätig sind. ""Die innovative und integrative Umwelttech-nik bietet enorme Wachstumspotentiale. Davon profitieren gleichermaßen die Unternehmen wie unsere Umwelt"", stellte Umweltministerin Conrad fest. ""Ökonomie und Ökologie lassen sich heute mittels innovativer Technologien und Dienstleistungen verbinden.""
Umwelttechnologien bieten große Chancen
Die Umwelttechnologien und die Erneuerbaren Energien sind zwei der bedeutenden Branchen, mit denen Rheinland-Pfalz auch im Auslandsgeschäft erfolgreich ist.
Deutschland war 2007 zum fünften Mal Exportweltmeister. Rheinland-Pfalz trägt mit einer Exportquote von 47,4 Prozent überdurchschnittlich zu diesem Erfolg bei. Die innovative und integrative Umwelttechnik hat einen besonderen Anteil an der Warenausfuhr; ihr Gesamtvolumen auf dem Weltmarkt wird auf 610 Milliarden Euro geschätzt und das jährliche Wachstum auf überdurchschnittliche rund 6 Prozent. Be-reits heute arbeiten in Deutschland 1,5 Millionen Menschen in der Umweltbranche. Ganz besonders zeigen sich die positiven Effekte an der Zahl der Arbeitsplätze am Beispiel der Erneuerbaren Energien.
Kreislaufwirtschaft schont Ressourcen und stärkt die Regionen
Conrad: ""Der effiziente Einsatz von Energie und Rohstoffen wird zum Leitfaktor für die Wettbewerbsfähigkeit von Ländern und Unternehmen.""
Rheinland-Pfalz zielt mit seiner landesweiten Kreislaufwirtschaftsstrategie auf eine ganzheitliche Betrachtung der vorhandenen Stoff- und Energieströme nach dem Vorbild der nachhaltigen Stoffkreisläufe in der Natur. Kreislaufwirtschaft bedeute also nicht nur, den Umgang mit Abfällen zu optimieren, sondern alle Stoff- und Energiekreisläufe zu vernetzen. ""Ziel ist die hundertprozentige Verwertung"", so Umweltministerin Conrad. Zusammen mit regenerativen Energien stellen sie Ressourcenpotenziale einer Region dar, die Wert schöpfend nutzbar sind. Neben Umweltschutz und Ressourcenschonung sollen durch diesen Ansatz die Abhängigkeit von den Welt-märkten verringert und Kostensenkungen in der Rohstoff- und Energieversorgung erreicht werden. Das reduziert den Kaufkraftabfluss aus einer Region, lokale Arbeitsplätze werden erhalten und geschaffen sowie die Wettbewerbsfähigkeit von Standorten wird dauerhaft erhöht.
Das Instrument zur Umsetzung der Kreislaufwirtschaft ist das Stoffstrommanagement, das die Verflechtung der Stoffströme von der Rohstoffgewinnung über die Produktion und den Konsum bis zur Entsorgung transparent macht. Stoffstrommanagement bedeutet, vorhandene Stoffströme so zu managen, dass bei Produktionen und Konsum möglichst wenig Ressourcen verbraucht beziehungsweise so effizient wie möglich eingesetzt werden.
Landesregierung fördert regionale Stoffstrommanagementkonzepte
Die Landesregierung fördert die Erschließung von örtlichen Rohstoff- und Energiepotenzialen durch unterschiedliche Konzepte auf Kreis- und Gemeindeebene, zum Beispiel im Donnersbergkreis, in der Vulkaneifel, im Rhein-Hunsrück-Kreis sowie in verschiedenen Gemeinden. Ein Beispiel ist die Projektstudie zur Erstellung eines innovativen Stoffstrommanagements in der Gemeinde Morbach zur Herstellung von Schwarzerde aus Gärrückständen (""Terra Preta""). Ebenso wird die Entwicklung von Stoffstrommanagementstrategien für Bauabfälle gefördert. Ein weiterer Baustein ist der ""Produktionsintegrierte Umweltschutz"" (PIUS) in rheinland-pfälzischen Betrieben zur Steigerung der Rohstoff- und Energieeffizienz. ""Insgesamt haben wir bereits Mittel in Höhen von rund 560.000 Euro zur Umsetzung verschiedener Stoffstrommanagementprojekte bewilligt. Ziel aller Einzelmaßnahmen ist eine landesweite Gesamtstrategie mit Vernetzungsangeboten"", so Conrad.
Gut funktionierende Kreisläufe haben sich in Rheinland-Pfalz auch aufgrund der gezielten Erfassung von Altpapier, Altglas, Bioabfällen, Kunststoffen und Metallen entwickeln können; Rheinland-Pfalz befindet sich hier in der Spitzengruppe im Ländervergleich. Für den Einsatz dieser knapper und teurer werdenden Sekundärrohstoffe steht in Rheinland-Pfalz eine moderne Recyclingindustrie zur Verfügung.
An verschiedenen Standorten werden Abfälle auch als Sekundärbrennstoffe mit hoher Effizienz verwertet.
Neben der Erfassung von Abfällen spielt die maschinelle Bearbeitung eine besondere Rolle bei der Kreislaufführung von Stoffströmen. Hier hat der rheinland-pfälzische Maschinenbau eine lange Tradition, der auch international sehr gefragt ist. Die Ex-portquote dieser Branche lag 2006 bei über 60 Prozent, was einem Warenwert von 4,6 Milliarden Euro entspricht. Auf dem Gebiet der Sortiertechnik ist ein Unterneh-men aus Rheinland-Pfalz führend.
Ein etwas anderes Beispiel für eine funktionierende Kreislaufwirtschaftsregion ist der Naturpark Pfälzerwald, eingebunden in das grenzüberschreitende Biosphärenreser-vat Pfälzerwald-Nordvogesen. Winzer, Landwirte, Imker, Landesforsten mit der Wildbretinitiative, Holzverarbeiter und Gastronomen vermarkten als zertifizierte ""Partnerbetriebe"" regionale Produkte, fördern die Entwicklung eines sanften Tourismus und tragen so zur Erhaltung einer einmaligen Kulturlandschaft bei.
Innovative Konzepte auch für das Ausland interessant
Über internationale Partnerschaften und gemeinsame Initiativen fördern Umwelt- und Wirtschaftsministerium in Verbindung mit den Hochschulen des Landes den Außenhandel und unterstützen rheinland-pfälzische Unternehmen auf Auslandsmärkten. So hat das Umweltministerium in der Partnerprovinz Fujian in China für vier Umweltprojekte Masterpläne erarbeiten lassen. Anlässlich des Deutsch-Chinesischen Umweltforums in Qingdao wurde ein Abkommen zum Bau einer Biogasanlage mit dem Ziel einer emissionsfreien Schweinezucht in der Region Luxia in der Provinz Fujian unterzeichnet. Das dortige Projekt ist ein ökonomisch und ökologisch viel versprechender Einstieg in eine Kreislaufwirtschaft und wird maßgeblich zur Erschließung alternativer Energien beitragen. Ganz aktuell arbeitet das Institut für angewandtes Stoffstrommanagement (IfaS) mit zwei rheinland-pfälzischen Firmen an der Umsetzung.
Ein weiteres Beispiel für die Schlüsselrolle von Landespartnerschaften ist der im Rahmen der Rheinland-Pfalz-Ausstellung vorgesehene Umwelt-Workshop zum Thema ""Energieeffizienz und erneuerbare Energien"" mit der Partnerprovinz Oppeln am 11. März 2008. Dem ging eine gemeinsame Umweltkonferenz mit rheinland-pfälzischen Firmen in Oppeln im Oktober letzten Jahres voraus. Eine große Umweltkonferenz mit Oppeln, Mittelböhmen und Burgund unter Beteiligung rheinland-pfälzischer Firmen ist für den 1. und 2. September dieses Jahres in Trier geplant.
Im Rahmen der Partnerschaft mit Ruanda wird mit dem ruandischen Umweltminister ein Konzept für die Abfallwirtschaft des Landes erarbeitet. Ebenso wird sich die Landesregierung an der Energie-Messe beteiligen, die parallel zur Expo Ruanda in diesem Jahr stattfinden wird.
Über die Partnerregionen hinaus unterstützen Umwelt- und Wirtschaftsministerium gemeinsam mit den rheinland-pfälzischen Hochschulen Unternehmen bei der Erschließung weiterer Absatzmärkte, so in Nordafrika. Dies führte bereits in Marokko zu ersten Erfolgen "" ein rheinland-pfälzischer Unternehmer erhielt den Auftrag zur Abfallentsorgung der Provinz Larache. Die Kontakte nach Marokko werden ständig vertieft und neue Kontakte zu Algerien und Ägypten geknüpft.
Aktivitäten des Instituts für angewandtes Stoffstrommanagement (IfaS)
Mit unterschiedlichen Schwerpunkten entwickelt IfaS gemeinsam mit rheinland-pfälzischen Unternehmen in 22 Ländern Kreislaufwirtschaftskonzepte mit unterschiedlichen Schwerpunkten.
Beispiele hierfür sind die Erarbeitung einer Machbarkeitsstudie zur Vergärung biogener Reststoffe im marokkanischen Larache oder der Stoffstrommanagement-Masterplan im Auftrag der Provinz Agadir, der als Grundlage zur Umsetzung von Erneuerbaren-Energie-Projekten und nachhaltigen (Ab-)Wasserprojekten dienen soll. In Ägypten geht es um innovative Abwasserbehandlungsanlagen mit nachgeschalteter Bewässerung zum Pflanzenölanbau.
Mit ostmitteleuropäischen Partnern aus Slubice (Polen) und Gornji Grad (Slowenien) führt IfaS derzeit ein EU-Projekt zum Aufbau nachhaltige regionaler Energieerzeugung und Energieverwendung durch. Hier bringt insbesondere die Verbandsgemeinde Weilerbach (Landkreis Kaiserslautern) ihre Erfahrungen bei der Entwicklung einer Zero-Emission-Village ein. In Ungarn wird derzeit mit einem rheinland-pfälzischen Planungsbüro für die TESCO-Gruppe ein Energieeffizienz-Konzept für Supermärkte entwickelt.
In Südamerika wurde gemeinschaftlich mit einer rheinland-pfälzischen Firma eine Studie zur Neugestaltung des chilenischen Abfallwirtschaftssystems erarbeitet, dessen Umsetzung jetzt ansteht.
""Auch in der Türkei entwickelt sich der Markt für Kreislaufwirtschaftskonzepte und Technologien rasant. Derzeit entwickelt IfaS in Antalya und Alanya Projekte, um Energie und Dünger aus organischen Abfällen zu gewinnen. Auch die Nachfrage nach Aus- und Weiterbildung auf dem internationalen Bildungsmarkt erfreut sich eines stetigen Wachstums. Am 1. März dieses Jahres wird ein Kooperationsprojekt des IfaS und der Akdeniz Universität in Antalya zur Initiierung eines deutsch-türkischen Masterstudiengangs in International Material Flow Management (IMAT) beginnen"", so Heck. Zwei IMAT Master-Studiengänge bietet das IfaS bereits an.
Broschüre zeigt unternehmerische Praxis
Wie Kreislaufwirtschaft in der Praxis funktioniert, darüber informiert die jetzt vom Umwelt- und vom Wirtschaftsministerium herausgegebene Broschüre ""Kreislaufwirtschaftsland Rheinland-Pfalz"". Dort stellen sich Unternehmen und Branchen mit unterschiedlichen innovativen Produkten, Technologien und Dienstleistungen vor und zeigen konkret, wie Kreislaufwirtschaft in Rheinland-Pfalz erfolgreich umgesetzt wird.
In Mainz stellten sich folgende Firmen beispielhaft vor:
Know-how und Technologie zur Planung und Umsetzung individueller kreislauforientierter Siedlungsabfallwirtschaftskonzepte bietet das Hinkel Netzwerk International. In der Provinz Larache in Marokko, die intensive Landwirtschaft mit Sonderkulturen wie Erdbeeren und Orangen betreibt, organisiert Hinkel die Müllentsorgung für 450.000 Menschen "" von der Einsammlung bis zu Konzepten für Verwertung und Gasgewinnung.
In der Morbacher Energielandschaft werden im zweiten Halbjahr 2008 zwei erfahrene Unternehmen aus Rheinland- Pfalz eine neue Weltbestmarke im internationalen Windenergiesektor setzen. Neben den in der Energielandschaft vorhandenen Anlagen zur Nutzung von Sonnen- und Bioenergie und einem bestehenden Windpark plant die juwi-Gruppe aus Mainz den Bau der welthöchsten Windenergieanlage.
Zum Einsatz kommt dabei Windenergie-Technik aus dem Westerwald: die Fuhrländer FL2500 mit einer Nabenhöhe von 160 Metern, einem Rotordurchmesser von 100 Metern und einer Gesamthöhe von 210 Metern. Dank neuer Technologien lassen sich die Winde in größeren Höhen wirtschaftlich nutzen, was für Standorte im süd-westdeutschen Binnenland von großem Interesse ist.
Einzelkomponenten und technische Komplettlösungen zur ressourcenschonenden Verwertung von Stoffströmen, zur Aufbereitung von Wertstoffen sowie zur Vermeidung von Abfällen gehören zu den Leistungen der Vecoplan AG. 1969 in Bad Marienberg als Spezialist für Zerkleinerungsmaschinen gegründet, stieg Vecoplan rasch zu einem national und international führenden und erfolgreichen Maschinenbauunternehmen für Recyclingtechnik auf. Auf allen fünf Kontinenten befinden sich Vecoplan-Maschinen und Aufbereitungsanlagen in der Ressourcen- und Recyclingwirtschaft im Einsatz. Neben dem Hauptstandort Bad Marienberg besitzt Vecoplan Niederlassungen und Tochterunternehmen in den USA, Großbritannien und Österreich.
Diese und weitere Firmen sind in der Broschüre ""Kreislaufwirtschaftsland Rheinland-Pfalz"" beschrieben. Die Publikation wird demnächst auch in englischer und französischer Sprache zur Verfügung stehen.
Die deutsche Fassung kann kostenlos bestellt werden beim Ministerium für Umwelt, Forsten und Verbraucherschutz Rheinland-Pfalz, Kaiser-Friedrich-Straße 1, 55116 Mainz; Internet: karin.klink(at)mufv.rlp.de, Telefon 06131-164468;
Die Broschüre als pd-Datei zum Herunterladen (3,8 MB)
Verantwortlich für den Inhalt: Stefanie Mittenzwei
Kaiser-Friedrich-Str. 1
55116 Mainz
Telefon: 06131-164645
Telefax: 06131/164649
e-mail: presse@mufv.rlp.de
