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24.04.2009 | Hochwasserschutz Braubach

Umweltministerin Conrad dankt Anrainern für Beitrag zum Deichbau " Land investiert insgesamt 17 Millionen Euro

Der Rhein hat die Entwicklung von Braubach geprägt "" er ist wichtiger Verkehrsweg für Massengüter, am Rhein entlang verläuft die Eisenbahnlinie und seit rund 100 Jahren siedeln die Menschen in unmittelbarer Flussnähe seitdem die Siedlungsflächen in den Seitentälern knapp geworden waren. Die schöne Wohnlage schien die Nachteile durch Hochwasser aufzuwiegen, hatte aber immer wieder, vor allem bei den  großen Hochwassern 1993 und 1995 Überschwemmung und Hochwasserschäden zur Folge.

Jetzt ist die gesamte Ortslage von Braubach gegen ein 65-jährliches Hochwasserereignis geschützt: Nach fast dreijähriger Bauzeit übergab heute Umweltministerin Margit Conrad den Hochwasserschutz für die Braubacher Neustadt; bereits im Jahr 2000 war der Hochwasserschutz für die Altstadt fertig gestellt worden.  Insgesamt hat das Land für den Hochwasserschutz in Braubach (Altstadt und Neustadt) 17 Millionen Euro investiert. Der Bürgermeisterin überreichte die Ministerin eine Messingtafel mit der Inschrift: ""Den Fluten zur Wehr"". Die Hochwassernotgemeinschaft Braubach veranstaltet zum Bauabschluss das 1. Braubacher Deichfest als Dankesfest für das Gelingen des Hochwasserschutzes und in Erinnerung an die großen Doppelhochwasser von 1983, die die Planungen auslösten.

""Die Anrainer haben in besonderem Maße dazu beigetragen, dass dieser Hochwasserschutz entstanden ist"", sagte die Ministerin, ""denn sie haben einen Streifen von 4 Metern von ihren Hausgrundstücken zur Verfügung gestellt. Mit diesem persönlichen Beitrag haben sie das Ziel eines umweltverträglichen Hochwasserschutzes unterstützt, weil die natürlichen Überflutungsflächen vorhanden bleiben.""

Entstanden ist in der Neustadt für rund 8 Millionen Euro ein rund 850 Meter langer Deich mit Untergrundabdichtung, zugehörigen mobilen Hochwasserschutzelementen und Nebenanlagen, der unmittelbar an der Bebauungsgrenze entlang führt. Der geschützte Bereich umfasst im Wesentlichen die an der Charlottenstraße gelegene Wohnbebauung. Besonderer Wert wurde auf die gute Einbindung des Deiches in das Landschaftsbild durch eine Strukturierung und Begrünung des Deichquerschnittes gelegt. Im Bereich der Schule und der katholischen Kirche führt die Bebauung bis an die B 42. Hier wurde ein Teilstück der Straßendammböschung mit einer Oberflächenabdichtung abgedichtet.

Aufgrund der stark durchlässigen Bodenschichten unter dem zu errichtenden Hochwasserschutzdeich wurde der Untergrund mit einer Dichtwand bis zu einer maximalen Tiefe von 17 Metern abgedichtet. Entlang des Straßendammes wurde auf Untergrundabdichtung verzichtet, da in diesem Bereich die Bodenverhältnisse günstiger waren. Anfallendes Qualmwasser wird hier über eine Brunnengalerie aus 19 Einzelbrunnen gefasst und abgeleitet. Die Brunnengalerie stellt auch die Verbindung zur Hochwasserschutzanlage der Altstadt her.

Hochwasserschutz am Mittelrhein ist Programm

Am Mittelrhein wurden seit 1985 ein Reihe von Hochwasserschutzmaßnahmen fertig gestellt: der Hochwasserschutz für die Braubacher Altstadt von 2000 kostete 5,8 Millionen Euro. Im Deich Neuwied wurde eine Schmalwand eingebaut (1,6 Millionen Euro ). Weitere Maßnahmen: die Hochwasserschutz-Mauer Spay  (410.000  Euro), der Hochwasserschutz Koblenz -Ehrenbreitstein (17,3 Millionen Euro) und in Andernach (1,6 Millionen Euro).

Die größte örtliche Hochwasserschutz-Maßnahme des Landes entsteht in Koblenz -Neuendorf mit rund 45 Millionen Euro werden; der Baubeginn ist für 2010 geplant. Für den Hochwasserschutz Lahnstein laufen die Planungen, wobei ein Baubeginn frühestens 2011 möglich sein könnte.

Darüber hinaus sind im Weltkulturerbe in den letzten Jahren erhebliche Mittel in die Umgestaltung und Aufwertung der Rheinvorländer geflossen. Hier ist vor allem das Pilotprojekt in Kamp-Bornhofen zu nennen, dass in 3 Bauabschnitten bis 2012 abgeschlossen sein wird. Hier werden insgesamt rund 5 Millionen Euro investiert werden. In St. Goarshausen wurde 2007 der erste, für 1,6 Millionen Euro umgestaltete Abschnitt der Uferpromenade eröffnet. Für rund 3,5 Millionen Euro wurde das Rheinvorland am Campingplatz St. Goar zwischen 2007 und 2008 umgestaltet. Für 2009 ist der 1. Bauabschnitt für die Neugestaltung des Rheinufers zwischen Braubach und Lahnstein geplant. Die Planungen für weitere Umbaumaßnahmen am Hafen St. Goar sowie in Bacharach sind im Gange.

Hochwasserschutz bedeutet Entwicklung und Lebensqualität

""Hochwasserschutz bedeutet Investitionen für Sicherheit, Lebensqualität und Entwicklung"", machte Conrad deutlich. Die Investitionen in den Hochwasserschutz ermutigen und schaffen Perspektiven für attraktive Entwicklungen. Der Standard unseres Hochwasserschutzes ist auch ein Standortfaktor für viele Betriebe.""

Das rheinland-pfälzische Hochwasserschutzkonzept wird von 3 Säulen getragen: Förderung des natürlichen Wasserrückhalts in der Fläche, technischer Hochwasserschutz durch Deiche, Rückhalteräume und örtliche Hochwasserschutzanlagen sowie konsequente Hochwasservorsorge, vor allem Stärkung der Eigenvorsorge.

An 10 Standorten in Rheinland-Pfalz werden rund 62 Millionen Kubikmeter Rückhalteraum geschaffen. In Rheinland-Pfalz bereits fertig gestellt sind die Hochwasserrückhaltungen Daxlanderau, Flotzgrün, Kollerinsel, Ingelheim und Worms-Mittlerer Busch. Diese Jahr fertiggestellt wird der Polder Bodenheim/Laubenheim und die Hochwasserrückhaltung Wörth/Jockgrim (Deichrückverlegung und Polder) befindet sich im Bau. Insgesamt wird damit ein Rückhalte-Volumen von rund 48 Millionen Kubikmetern erreicht. Heute ist am Oberrhein zusammen mit den Rückhaltemaßnahmen in Frankreich und Baden-Württemberg wieder eine über 100jähliche Hochwassersicherheit erlangt. Das Bauprogramm des Landes umfasst ein Gesamtvolumen von über 223 Millionen Euro. Rund 100 Millionen Euro hat Rheinland-Pfalz schon aufgewendet.

Für die Ertüchtigung der  Rheinhauptdeichlinie und der Schöpfwerke am Oberrhein  wird ein Investitionsvolumen von rund 216 Millionen Euro umgesetzt. Bisher hat das Land über 120 Millionen Euro investiert. Die gesamten Maßnahmen sollen bis zum Jahr 2012 abgeschlossen sein. Grundlage hierfür ist ein Verwaltungsabkommen aus dem Jahre 1991 zwischen den Ländern Hessen, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, das die Angleichung der Deichhöhen und damit des Hochwasserschutzes auf beiden Seiten des Rheins anstrebt.

Verantwortlich für den Inhalt: Stefanie Mittenzwei

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