
Die Kommunen haben eine Schlüsselfunktion für eine zukunftsfähige Energieversorgung und den Klimaschutz. ""Wir brauchen ihre Investitionstätigkeit für Energiespargebäude und dezentrale Energieinfrastuktur. Die Steuerpläne der Koalition, aber auch die Benachteiligung kommunaler Unternehmen, schwächen ihre strategische Bedeutung für den notwendigen Umbau unserer Energieversorgung. Dazu kommen die Wettbewerbsverzerrungen zu Lasten der Kommunen und zugunsten der vier Energiekonzerne durch die Laufzeitverlängerung ihrer Atomkraftwerke"", sagte die rheinland-pfälzische Umweltministerin Margit Conrad in ihrer Rede bei der Messe ""Kommunale Zukunft Rheinland-Pfalz 2009"". Die ""KomZu"" findet auf Initiative des Gemeinde- und Städtebundes Rheinland-Pfalz erstmals statt und stellt mit Schwerpunkt auf Energie, Licht und Gebäudeeffizienz Best Practice-Lösungen vor.
""Kommunen haben Vorbildcharakter"", sagte Umweltministerin Margit Conrad. Im Vorfeld der Weltklimakonferenz in Kopenhagen betonte sie: ""Nur mit den Kommunen werden wir unsere Energie- und klimaschutzpolitischen Ziele erreichen."" Die Planungskompetenz prädestiniere die Kommunen, Anpassungsstrategien an den Klimawandel zu entwickeln und den Ausbau der erneuerbaren Energien planungsrechtlich abzusichern. Conrad: ""Die Kommunen können in jedem Bebauungsplan anspruchs-volle Energie- und Klimaschutzstandards festlegen. Gerade die erneuerbaren Energien brauchen den positiven Rückhalt der Planungsträger und damit der Gemeinden. Das Planungsrecht muss für einen geordneten Ausbau der erneuerbaren Energien, die landschaftsrelevant sind, eingesetzt werden, vor allem für Windenergie oder auch für Freiflächensolaranlagen.""
Die zukünftige, dezentral geprägte Energieversorgung brauche leistungsfähige Partner vor Ort: die Stadt- und Gemeindewerke. Ihre Entwicklung vollziehe sich vom reinen Energieverteiler hin zum Energieerzeuger, vor allem auf Basis erneuerbarer Energien und der Kraft-Wärme-Kopplung. Sie müssen zum Energiedienstleister werden für Einspar- und Effizienztechnologie. Sie verfügen über detaillierte Kenntnisse der Gegebenheiten vor Ort und Kundennähe. Damit bieten sich für die kommunalen Energieversorger vielfältige Handlungsmöglichkeiten, z.B. den Ausbau von Energiecontracting und Energieberatung, Gebäudemanagement, Anreize für energiesparendes Investitionsverhalten, das Angebot einer an ökologischen Kriterien orientierten Produkt- und Tarifstruktur sowie eine Vielfalt verschiedenster Contracting-Angebote. Gerade kleine und mittlere Unternehmen sind sehr an kompetentem Energiemanagement interessiert. Weitere Optionen sind Investitionen in örtlich verfügbare erneuerbare Energien und deren Vertrieb, der bedarfsgerechte Ausbau von Nah- und Fernwärmenetzen, der Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung, insbesondere von Blockheizkraftwerken sowie die Beteiligung an virtuellen Kraftwerken.
Conrad: ""Kommunen sind natürliche und strategische Partner für alle, die Klimaschutz vor Ort erreichen, die Versorgungssicherheit, Wettbewerb, bezahlbare Preise, Wertschöpfung und Arbeitsplätze in den Regionen sichern wollen. Unsere Kommunen verfügen über entscheidende Kompetenzen und Instrumente für den notwendigen Umbau der Energieversorgung.
In Rheinland-Pfalz gibt es zahlreiche beispielhafte kommunale Projekte, u.a.
Biomasse-Nahwärmenetz in Konken (Kreis Kusel):
Nahwärmenetz Hachenburg
Die Verbandsgemeinde beabsichtigt in der Stadt Hachenburg den Bau eines Nahwärmenetzes auf Basis erneuerbarer Energien. Es sollen mehrere Objekte wie z.B. das Krankenhaus, ein Schwimmbad, mehrere Schulen und Kindertagesstätten etc. an das Netz angeschlossen werden. Die Heizzentrale soll ein Biomassekraftwerk sein und die Versorgung erfolgt über zwei Stränge mit einer gesamten Trassenlänge von rund 3,1 Kilometern. Das Netz soll modular erweiterbar errichtet werden, um mit den Jahren nach und nach zusätzliche Gebäude einbinden zu können. Das Umweltministerium unterstützt dieses Projekt mit 1 Million Euro im Rahmen des Konjunkturprogramms II.
Nahwärmenetz Rheinböllen
Ein Nahwärmeverbundnetz in der Verbandsgemeinde Rheinböllen im Rhein-Hunsrück-Kreis entsteht "" mit einer zentralen Holzpelletheizung, über die das Freizeitbad, die Regionale Schule Puricelli, das Bürgerhaus sowie zwei Kindertagesstätten mit Wärme versorgt werden. Durch die neue Anlage sinkt der jährliche CO2-Ausstoß um rund 730 Tonnen. Durch die neue Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung und Wärmepumpe werden im Freizeitbad knapp 30 Prozent Heizenergie und 10 Prozent Strom eingespart. Mit 100.000 Euro fördert das Umweltministerium die Errichtung des Nahwärmeverbundnetzes.
Morbacher Energielandschaft
Auf dem Gelände eines ehemaligen Munitionsdepots der US-Streitkräfte produzieren in der Morbacher Energielandschaft mittlerweile 14 Windkraftanlagen jährlich etwa 40.000 MWh elektrische Energie. Damit können rund 13.000 Haushalte versorgt und etwa 27.000 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart werden. Zur regenerativen Energieversorgung trägt weiterhin eine Photovoltaikanlage mit 3.072 Modulen auf einer Fläche von zirka 3.460 Quadratmetern bei. Im September 2006 ging eine Biogasanlage mit einer Nennleistung von 500 KW elektrisch und 700 KW thermisch in Betrieb. Mit Unterstützung des Maschinenrings Trier-Wittlich und der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz liefern Landwirte aus der Region die benötigten nachwachsenden Rohstoffe. Die Anlage erhielt vom Umweltministerium eine Förderung von rund 100.000 Euro. Die Abwärme der Biogasanlage wird zur Trocknung des Holzes in einer auf dem Gelände befindlichen Anlage zur Herstellung von Holzpellets genutzt.
Biomasse-Heizzentrale mit Wärmenetz im Schulzentrum Kirchberg (Rhein-Hunsrück-Kreis)
Das Schulzentrum Kirchberg erhält ein gemeinsames Wärmenetz und heizt demnächst von einer einzigen Quelle aus Co-2-neutral, klimafreundlich und mit erneuerbaren heimischen Energien auf Basis von Baum- Strauchschnitt. Das insgesamt 2,45 Mio. Euro teure Projekt wird vom Umweltministerium mit 1 Million Euro im Rahmen des Konjunkturprogramms II finanziell unterstützt. Das Landschaftspflegeholz wird von rund 120 Sammelplätzen im Kreisgebiet zur zentralen Aufbereitung auf das Deponiegelände in Kirchberg transportiert, dort geschreddert und gesiebt. Das Holz soll knapp 85 Prozent des Jahreswärmebedarfs des Schulzentrums decken. Die restlichen 15 Prozent werden über bestehende Erdgaskessel abgedeckt - an besonders kalten Tagen und im Sommerbetrieb, wenn ein sehr geringer Wärme- bzw. Warmwasserbedarf besteht. Die Biomasse-Heizzentrale wird gemeinsam mit dem Hackschnitzellager neu errichtet. Das bestehende Wärmenetz (138 Meter) wird auf 685 Meter Länge ausgebaut. Angeschlossen werden Grund-, Haupt- und Realschule sowie die Gesamtschule, zwei Sporthallen, ein Hallenbad und ein Feuerwehrgebäude.
Nahwärmeverbund Max-Slevogt-Gymnasium der Stadt Landau
Der Nahwärmeverbund Max-Slevogt-Gymnasium ist ein weiterer Baustein im Projekt "energieeffiziente Stadt. Landau zeigt, dass sich mittlere Städte über Ausbau von Wärmenetzen systematisch zu Städten mit 100 Prozent regenerativer Wärmeversorgung entwickeln können. Als Energieträger wird die Stadt - wie schon an anderen Projekten umgesetzt - vor allem holzhaltigen Grünschnitt, aber auch Resthölzer einsetzen - das heißt Energieträger, die sowieso anfallen und ansonsten verrotten würden. Mit dem Nahwärmeverbund werden jährlich etwa 85.000 Euro eingespart. Die CO2-Klimagasemissionen reduzieren sich um 350 Tonnen pro Jahr. Ein wichtiger Zusatzeffekt: Der Landauer Zoo wird durch die Umstellung von Erdgas auf Biomasse bei der Wärmeversorgung CO2-neutral, das Modellprojekt ""CO2-neutraler Zoo"" erhält hierdurch einen deutlichen Schub. Durch die Umstellung auf Biomasse-Nahwärme werden zirka zwei Millionen kWh auf Basis von Heizöl bzw. Erdgas erzeugte Nutzwärme - das entspricht einem Verbrauch von knapp 200.000 Liter Heizöl pro Jahr - durch regenerative heimische Energieträger ersetzt. Der Nahwärmeverbund wird vom Umweltministerium im Rahmen des Konjunkturrpogramms II mit 153.000 Euro gefördert. Hinzu kommt ein zweckgebundenes Darlehen in Höhe von insgesamt 102.000 Euro. Angeschlossen werden neben dem Gymnasium die Hauptschule West, der Zoo sowie die SÜWEGA-Halle. Die Investition in das Wärmenetz liegt bei insgesamt 325.000 Euro plus der Biomasseheizung.
Nahwärmenetz in Altenkirchen
Der Landkreis Altenkirchen und die Verbandsgemeinde Altenkirchen haben für insgesamt 5 Schulen, 3 Turnhallen, ein Hallenbad sowie 2 Verwaltungsgebäude eine zukunftsfähige Nahwärmeversorgung auf Basis erneuerbarer Energien konzipiert. Ein Holzhackschnitzelheizkraftwerk und ein Nahwärmenetz sollen die Gebäude mit Wärme versorgen. Angeschlossen werden sollen die Realschule sowie das Gymnasium Altenkirchen, die Allgemeinbildende Schule, die Erich-Kästner-Grundschule mit Turnhalle, die Sporthalle Schulzentrum, die Musikschule, ein Hallenbad mit Turnhalle, das Rathaus sowie die Kreisverwaltung. Das Umweltministerium fördert das Projekt im Rahmen des Konjunkturpaketes mit 1 Million Euro. Darüber hinaus erhält der Kreis Altenkirchen für die Maßnahmen ein zinsloses Darlehen von rund 800.000 Euro. Die Gesamtinvestitionen betragen rund 1,9 Mio. Euro.
Speyer gewinnt aus Abwasser Heizwärme
Am Speyerer Yachthafen entsteht für 5 Hafenvillen eine energiesparende Gebäudeausführung, Nutzwärmeerzeugung durch Wärmepumpen und Solarthermie. Damit werden Energieeinsparpotenziale konsequent erschlossen. Für die Wärmeversorgung kommt pro Gebäude eine Wärmepumpe zum Einsatz. Diese bezieht ihre Nutzwärme aus einem nahe gelegenen Abwasserkanal der Entsorgungsbetriebe Speyer. Dabei wird über einen Wärmetauscher dem Abwasser Wärme entzogen und zu Heizzwecken nutzbar gemacht. Die Warmwasserbereitung und die Wohnraumbeheizung werden zusätzlich durch solarthermische Anlagen auf den Dächern der Häuser unter-stützt. Die Gesamtkosten der Maßnahme betragen knapp 480.000 Euro. Das Umweltministerium fördert das Projekt mit einem Zuschuss von 136.000 Euro. Da mehr als 99 Prozent der Einwohner von Rheinland-Pfalz an öffentliche Kläranlagen angeschlossen sind, besitzt die Nutzung der im Abwasser gespeicherten Wärmeenergie großes Potenzial zur Verminderung unserer Energieimporte.
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Das Nahwärmenetz Konken soll im Endausbau 40 Häuser eines Neubaugebietes sowie weitere Gebäude im Ortskern (z.B. Gebäude der Kirchengemeinde) umfassen, eine Heizzentrale sowie eine 1,2 Kilometer lange Zuleitung von der Biogasanlage eines landwirtschaftlichen Betriebs zur Heizzentrale. Die Biogas-Anlage liefert energieeffizient zirka 70 Prozent der jährlichen Wärmeenergie. Mit Abschluss des Ausbaus wird jährlich mit rund 80.000 kWh bei einer Gesamtleistung von 532 kW Nutzenergie gerechnet. Zusätzliche Erdgasbrenner zur Abdeckung der Spitzenlast haben eine Gesamtleistung von 600 kW. Die Biogas-Erzeugung erfolgt durch Vergärung von Mais und Grünschnitt sowie von Exkrementen aus der Schweinehaltung. Das Biogas wird in einem Blockheizkraftwerk verstromt. Die anfallende Wärme wird zu zirka einem Drittel für den Betrieb der Biogasanlage verwendet, der Rest fließt in das Nahwärmenetz. Das Umweltministerium hat den Aufbau des Nahwärmenetzes in Konken mit einem Zuschuss von über 101.000 Euro gefördert. Die Gesamtkosten für das Nahwärmenetz belaufen sich nach Angaben der Stadtwerke Kusel GmbH auf etwa 560.000 Euro.
