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15.07.2010 | Atomkraftwerke

„Eine Energieversorgung, die auf Atomkraft beruht, ist überholt. Laufzeitverlängerung bedeutet die Verlängerung enormer Risiken, drängt die Erneuerbaren Energien zurück, gefährdet Arbeitsplätze und stoppt den dringend notwendigen Umbau hin zu einer modernen dezentralen Energieversorgung.“

Entschieden lehnt Conrad auch den jüngsten unausgegorenen Vorschlag einer Auktionierung von Produktionsrechten für Atomstrom ab. „Auch hier geht es um eine Laufzeitverlängerung, bei der die Profite der AKW-Betreiber über die Sicherheitsinteressen der Bevölkerung gestellt werden.“  

Umweltministerin Conrad wies erneut darauf hin, dass für eine Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke die Zustimmung des Bundesrates erforderlich ist. Rheinland-Pfalz hatte Mitte Juni ein Gutachten vorgelegt und angekündigt, eine Normenkontrollklage beim Bundesverfassungsgericht anzustrengen, sollte das Gesetz ohne Zustimmung des Bundesrates verabschiedet werden.

Fakten, die gegen Atomkraftwerke sprechen - in Beispielen:

1. Ungelöste Fragen

Atomkraftwerke sind störanfällig: In 10 Jahren (2000 bis Ende 2009) sind insgesamt 1255 meldepflichtige Ereignisse aufgetreten.

Risiko für die Sicherheit: Ältere AKWs sind nicht oder nicht ausreichend gegen den Absturz einer schnell fliegenden Militärmaschine ausgelegt. Auch ein wirkungsvoller Schutz gegen terroristische Angriffe durch den Absturz eines großen Verkehrsflugzeuges fehlt. Biblis B ist nur gegen einen Starfighter-Absturz ausgelegt, Biblis A hat genau wie Philippsburg 1 keine explizite Auslegung gegen Flugzeugabstürze. Es gibt auch keine externe Notstandswarte für die beiden Biblis-Blöcke im Notstandsfall.

Uran-Vorkommen sind endlich: Die weltweit bekannten Uran-Vorräte reichen bei dem derzeitigen Verbrauch noch für cirka 60 Jahre. Bei einer Erhöhung der Zahl der weltweit betriebenen Atomkraftwerke verkürzt sich die Reichweite der Uranreserven entsprechend.

Endlager nicht in Sicht: Die Endlagerung hochradioaktiver Abfälle ist in Deutschland ebenso wie in allen anderen Ländern der Welt bislang ungelöst. Mit der Aufhebung des Moratoriums und der Fortsetzung der Erkundungsarbeiten setzt die Bundesregierung einseitig auf den Standort Gorleben, obwohl dieser wegen der möglichen politischen Einflussnahme der Regierung Kohl auf die Standortauswahl und wegen fachlicher Bedenken höchst umstritten ist.


2. Erneuerbare Energien liefern Antworten

Auch AKWs stehen still: Unsere Energieversorgung funktioniert auch dann, wenn AKWs zum Beispiel wegen Revisionen, beim Brennelementewechsel oder zur Untersuchung von Störfällen vom Netz gehen. Die 17 deutschen Atomkraftwerke waren 2008 nur zu 81 Prozent und  2009 zu rund 74 Prozent verfügbar. Sowohl Biblis A als auch Biblis B standen jeweils über ein Jahr still, weil tausende von Schwerlastdübeln ausgetauscht werden mussten. Trotzdem wurde sogar in erheblichem Maße noch Strom aus Deutschland exportiert.

Erneuerbare ersetzen Atomkraft: Der Anteil des Atomstroms am deutschen Strommix lag bei 23,2 Prozent der Bruttostromerzeugung (2009). Die Stromerzeugung auf der Basis der erneuerbaren Energien hat bereits einen Anteil von ca. 16,1 Prozent erreicht. Bis 2020 soll dieser Anteil auf mindestens 30 Prozent steigen. Der Sachverständigenrat für Umweltfragen weist darauf hin, dass - abhängig von der Kostenentwicklung - ein System mit 100 Prozent Erneuerbaren zwischen 2030 und 2040 zur kostengünstigsten Stromversorgungsoption werden kann.

Schädliche Konkurrenz: Aktuell beträgt die installierte Leistung der Windkraft 25,7 Gigawatt (GW), die der Atomkraft  ca. 21,3 GW und der Braunkohle ca. 22,5 GW. Wird wenig Strom gebraucht, tritt Windstrom in Konkurrenz zum Grundlastbereich, der neben der Wasserkraft vor allem von Braunkohle- und Kernkraftwerken abgedeckt wird. So entsteht ein Überangebot, das zu negativen Preisen an der Strombörse verkauft wird. Die Situation wird sich verschärfen, wenn, wie in dem vom Bundesumweltministerium in Auftrag gegebenen Leitszenario 2009 prognostiziert, 2020 eine installierte Leistung von rund 42 GW Windenergie und 18 GW Photovoltaik besteht. Als Großkraftwerke stehen AKWs den dezentralen Erneuerbare Energien diametral entgegen. Der Ausbau einer klimafreundlichen, unabhängigen und sicheren Energieversorgung aus Sonne, Wind, Biomasse, Kraft-Wärme-Kopplung wird behindert oder sogar gestoppt.

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