
Zwischen Anfang Dezember 2010 und Mitte Januar 2011 sind in den rheinland-pfälzischen Flüssen und Bächen drei Hochwasserwellen abgelaufen, die regional unterschiedlich ausgeprägt waren und Auftretenswahrscheinlichkeiten zwischen 2 und 25 Jahren hatten. Umweltministerin Conrad und Innenstaatssekretär Lewentz dankten allen Einsatzkräften, die in den Hochwassergebieten aktiv waren. Conrad und Lewentz zogen insgesamt eine positive Bilanz des Hochwassergeschehens.
„Der Ablauf des Hochwassergeschehens zeigt, dass die bisherigen Hochwasser-schutzmaßnahmen des Landes und der Kommunen die Voraussetzungen geschaffen haben, um Hochwasserereignisse, wie sie jetzt aufgetreten sind, zu bewältigen. Die Hochwassermeldezentren und Deichmeistereien waren ständig im Einsatz. Hochwas-serschutz ist und bleibt ein Schwerpunkt der Landespolitik. Hochwasserschutz und Hochwasservorsorge werden weiterhin ausgebaut, um für die Menschen in den betroffen Regionen ein hohes Maß an Sicherheit und Lebensqualität zu schaffen“, betonte Umweltministerin Conrad.
Innenstaatssekretär Lewentz erklärte: „Außerordentliches Lob gilt den vielen auch eh-renamtlichen Einsatz- und Rettungskräften, die routiniert und effizient die Bevölkerung unterstützt und vor Schlimmerem bewahrt haben. Dies gilt ebenso der Bevölkerung, die angesichts der Bedrohung ihres Hab und Guts trotzdem besonnen und ruhig reagiert hat. Gerade die Berichte von routinierter Nachbarschaftshilfe zeigen, dass die Menschen zusammenhalten und dadurch einen enormen Beitrag leisten, einer Hochwassersituation Herr zu bleiben.“
In der Vorderpfalz war an der Queich ein Hochwasser mit einer Jährlichkeit von 2 bis 5 Jahren zu verzeichnen, in der Südwestpfalz am Hornbach trat ein Hochwasser mit einer Wiederkehrzeit von über 10 Jahren auf. An der Mosel trat ein etwa 5-jährliches Hochwasser auf. Als Folge stieg der Wasserstand im Rhein bei Koblenz auf 7,52 Meter. Dies entsprach auch für den nördlich anschließenden rheinland-pfälzischen Mittelrhein einem knapp 5-jährlichen Hochwasser. Am Glan lag die Wiederkehrzeit des Hochwasserscheitels bei ca. 25 Jahren, an der Pfrimm bei 5 bis 10 Jahren. Auch in der Eifel waren größere Hochwasser mit Wiederkehrzeiten von 2 bis 5 Jahren (Kyll) und 5 bis 10 Jahren (Sauer) zu verzeichnen. An der Nister erreichten die Spitzen Jährlichkeiten von 10 bis 20 Jahren, an der Wiedmündung von 5 bis 10 Jahren. Im hohen Westerwald kamen aber auch Abflüsse mit einer Wiederkehrzeit von 100 Jah-ren vor (Pegel Seifen am Holzbach). Infolge des relativ hohen Neckarzuflusses sowie eines hohen und lang andauernden Mainzuflusses führte der Rhein im südlichen Mit-telrhein ein knapp 10-jährliches Hochwasser ab.
Örtliche Hochwasserschutzmaßnahmen des Landes
An Mittelrhein und Mosel wurden seit 1991 örtliche Hochwasserschutzprojekte, als Maßnahmen des Landes mit einem Gesamtvolumen von rund 186 Millionen Euro und einem Landesanteil von rund 167 Millionen Euro fertig gestellt. Weitere über 100 Millionen Euro sind in den nächsten Jahren eingeplant. Seit 1995 beträgt nach Landeswassergesetz der Landesanteil 90 Prozent der Kosten.
Viele Gemeinden am Glan, insbesondere die Gemeinde Odenbach, waren vom Hoch-wasser besonders betroffen. Dort wurde ein Hochwasserscheitel erreicht, wie er nur alle 25 Jahre auftritt. Größere Schäden sind jedoch nicht entstanden. In der Nachbargemeinde Meisenheim schützen örtliche Hochwasserschutzanlagen, die im Jahr 1997 mit Investitionen in Höhe von 1,6 Millionen fertig gestellt wurden vor einem 50-jährlichen Hochwasser. An der Alsenz war die Gemeinde Alsenz erstmals hochwasserfrei. Dort sind örtliche Hochwasserschutzmaßnahmen von ca. 3 Millionen Euro Investitionen im Jahr 2009 fertig gestellt worden. Der Hochwasserschutz an der Nahe in Bad Kreuznach hat sich bewährt. Die Hochwasserschutzmaßnahmen von etwa 22 Millionen Euro wurden im Jahr 2004 fertig gestellt. An der Mosel waren etwa 30 Gemeinden vom Hochwasser betroffen. Dort wurden in den letzten 20 Jahren Hochwasserschutzanlagen mit Gesamtkosten von etwa 70 Millionen Euro errichtet, über 60 Millionen Euro werden durch das Land gefördert. Alle Hochwasserschutzanlagen haben sich bewährt. Zell war die einzige örtliche Hochwasserschutzmaßnahme, die bei diesem niedrigen Schutzniveau (Schutzziel 5-jährliches Hochwasser) überspült wurde.
Am Mittelrhein blieb die rechte Rheinseite, unter anderem mit Koblenz-Ehrenbreitstein, hochwasserfrei. Dort existiert seit 2003 ein 200-jährlicher Hochwasserschutz. Auch die jüngeren Anlagen wie in Braubach Altstadt und Neustadt haben ihren Zweck erfüllt. Linksrheinisch waren u.a. betroffen Lützel und Neuendorf, das Deutsche Eck und Anlagen der Bundesgartenschau. Zukünftig werden die Stadtteile Lützel, Wallersheim und Neuendorf bei ähnlichen Ereignissen durch die neue Hochwasserschutzanlage verschont bleiben. Dort wird die größte Hochwasserschutzanlage des Landes mit Investitionen von 48 Millionen Euro erbaut.
Die Flutung des Polders Ingelheim war der erste Einsatz einer gesteuerten Hoch-wasserrückhaltung am Rhein. Etwa 2 Millionen Kubikmeter Hochwasser wurden in den Polder geleitet, der insgesamt 4,5 Millionen Kubikmeter fasst. Dies führte zu kleineren Absenkungen der Wasserspiegel. Der Polder wurde im September 2006 eingeweiht. Die Gesamtkosten betrugen 17 Millionen Euro. Inzwischen läuft der Polder mit absinkendem Rheinwasserspiegel wieder leer. Dies wird etwa noch eine Woche dauern. Am Oberrhein ist auch Wasser in die Deichrückverlegungen Worms-Mittlerer Busch sowie Worms-Bürgerweide geflossen – insgesamt besteht dort Raum für ca. 4 Millionen Kubikmeter Wasser. Zusammen mit dem Polder Ingelheim tragen diese Hochwasserrückhaltungen zum Schutz des Mittelrheintals bei.
