Die Tularämie ist eine Infektionskrankheit und Zoonose, die durch das Bakterium Francisella tularensis hervorgerufen wird. Erkrankungen von Haustieren sind in Mitteleuropa Ausnahmeerscheinungen. Prinzipiell sind alle Tierarten empfänglich, es entwickeln sich fieberhafte Allgemeinerkrankungen mit uncharakteristischen Symptomen. Wichtige Hinweise auf ein Tularämiegeschehen sind Massensterben unter Feldmäusen, anderen Nagern oder Feldhasen. Die Tiere infizieren sich entweder durch Kontakt mit kontaminierter Umgebung oder durch blutsaugende Parasiten (z.B. Zecken, Fliegen). Zecken sind die Reservoirwirte, in denen sich die Bakterien vermehren und auch in die nächste Zeckengeneration weiter gegeben werden.
Die Erkrankung beim Mensch und beim Tier unterliegt der Meldepflicht.
Vorkommen
Tularämie kommt in der gesamten nördlichen Hemisphäre (Skandinavische Länder, Russland, Japan, China, USA, Kanada) vor.
Bislang wurde F. tularensis bei mehr als 125 Wirbeltierarten (Hasen, Kaninchen, Mäusen, Ratten, Eichhörnchen, Vögel, Reptilien, Fische) und 100 wirbellosen Tieren (Zecken, Läusen, Flöhen, Fliegen) nachgewiesen, aber auch in der Umwelt (Wasser, Erde) gefunden.
Ansteckung und Übertragung auf den Menschen
Die Übertragung auf den Menschen erfolgt vorwiegend durch den direkten Kontakt mit erkrankten Kaninchen oder Hasen, oder deren Organen, zum Beispiel bei Abhäuten und Verarbeiten von Wildfleisch. Der Erreger kann über kleinste, unsichtbare Hautveränderungen und über Schleimhäute in den Körper eindringen. Ferner ist die Ansteckung durch den Genuss von infizierten oder kontaminierten Lebensmitteln oder Trinkwasser, sowie durch durch Bisse oder Stiche blutsaugender Insekten möglich. Eine Infektion kann auch durch Inhalation von erregerhaltigem Staub, z.B. bei der Bearbeitung von Getreide (Ernte, Dreschen), das mit Sekreten und Exkreten infizierter Nagetiere kontaminiert ist, erfolgen. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch kommt nicht vor.
Krankheitsbild
Neben Allgemeinsymptomen (Fieber, Unwohlsein, Muskelschmerz) kann das klinische Bild beim Menschen sehr vielfältig sein. Das Krankheitsbild ist abhängig von der Eintrittspforte, der Virulenz der Erreger und der Infektionsdosis.
Bei Hasen und Kaninchen verläuft die Tularämie in der Regel mit dem Bild einer fieberhaften Allgemeinerkrankung und führt innerhalb weniger Tage zum Tod. Seltener führt eine chronische Verlaufsform unter zunehmender Entkräftung nach etwa 14 Tagen zum Tod.
Kranke Wildtiere sind matt, teilnahmslos und verlieren die natürliche Scheu und Schnelligkeit. Bei vermehrtem Auftreten vom Fallwild muss auch an Tularämie gedacht werden. Eine sichere Diagnose ist nur durch mikrobiologische Untersuchungen möglich.

