
Die
Veranstaltung fand am 27. April 2009 in Koblenz statt.
Tierschutz hat für die Landesregierung eine große Bedeutung. Die Verantwortung für Nutztiere ist eine eigenständige Aufgabe. Ein Tier muss seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend ernährt, gepfelgt und untergebracht werden. Die Tierschutz-Nutztierhaltung legt grundsätzliche Haltungsanforderungen für alle Nutztiere fest, spezielle hingegen nur für die Haltung von Kälbern.
Die Anbindehaltung ist eine verbreitete Aufstallungsform, die vom Boxenlaufstall in Zukunft mehr und mehr abgelöst werden wird. Gerade in Betrieben mit geringen Tierzahlen oder bei Nebenerwerbslandwirten ist die Anbindehaltung weiterhin Praxis, obwohl sie seit Jahren nicht mehr empfohlen oder gefördert wird. Angebundene Rinder finden sich meist in älteren Ställen, in denen das Stallklima schlecht sowie der Lichteinfall dürftig ist und die Boxen der Görße heutiger Rinder nicht mehr entsprechen. In Zukunft wird die Optimierung der Luft- und Lichtverhältnisse im Stall angesichts des Klimawandels einen noch größere Bedeutung gewinnen.
Ein Weg zwischen Tiergerechtheit und Wirtschaftlichkeit muss gefunden werden, da der Ausstieg aus dieser Haltungsform mit Investitionen verbunden ist. Über die Möglichkeiten und Grenzen soll in der Veranstaltung informieren und Wege aufzeigen.
Programm
17.00 Uhr
Eröffnung und Begrüßung
Margit Conrad
Ministerin für Umwelt, Forsten und Verbraucherschutz des Landes Rheinland-Pfalz
17.15 Uhr
Haltungsformen von Rindern
Prof. Dr. Bernhard Hörning
Fachhochschule Eberswalde
17.55 Uhr
Betriebswirtschaftliche Erkenntnisse
Dr. Wilfried Hartmann
Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft
18.00 Uhr
Eröffnung der Podiumsdiskussion
Mitglieder der Podiumsdiskussion
- Prof. dr. Bernhard Hörning, Fachhochschule Eberswalde
- Dr. Wilfried Hartmann, Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft
- Dr. Ulrich Schumacher, Bioland
- Dr. Helmut Stadtfeld, Tierschutzbeirat Rheinland-Pfalz
- Frigga Wirths, Akademie für Tierschutz des Deutschen Tierschutzbundes e.V.
- Hans-Jürgen Sehn, Bauern- und Winzerverbände Rheinland-Pfalz
- Manfred Zelder, Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz
Moderation
- Elke Klingenschmitt, Südwestrundfunk Rheinland-Pfalz
Referenten
- Prof. Dr. agr. habil. Bernhard Hörning
Fachgebiet ökologische Tierhaltung
Fachhochschule Eberswalde
Friedrich- Ebert Str. 28
16225 Eberswalde - Dr. Wilfried Hartmann
Referent Rinderhaltung
Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft
Bartningstr. 49
64289 Darmstadt - Dr. Ulrich Schumacher
Referent Tierhaltung- Ressort Landbau
Bioland e.V.
Kaierstr. 18
55116 Mainz - Dr. Helmut Stadtfeld
Tierarzt
Vorsitzender des Tierschutzbeirat Rheinland-Pfalz
Halfterweg 26
56412 Gackenbach - Frigga Wirths
Fachreferentin
Akademie für Tierschutz des Deutschen Tierschutzbundes e.V.
Spechtstr. 1
85579 Neubiberg - Hans-Jürgen Sehn
Landwirt
Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau e.V.
Karl-Tesche Str. 3
56073 Koblenz - Manfred Zelder
Landwirt
Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz
Burgenlandstr. 7
55543 Bad Kreuznach - Elke Klingenschmitt
Journalistin
Südwestrundfunk Rheinland-Pfalz
Pressemeldung vom 27.4.2009
Umweltstaatssekretärin Jacqueline Kraege: ?Kuhkomfort bietet Vorteile für Tierschutz und ?gesundheit"
Die Rinderhaltung verändert sich: Waren früher Rinder im Stall überwiegend angebunden, so kann sich inzwischen die Mehrzahl der Milchkühe in Laufstall-Boxen bequem bewegen.
In einer Veranstaltung des Umweltministeriums ?Anbindehaltung von Rindern ? Ist die Haltung tiergerecht?" beim Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau e. V. war Gelegenheit, die verschiedenen Haltungsformen mit Experten zu diskutieren. Dabei wurde deutlich, dass die Entwicklung hin zu modernen ?Laufställen" mit viel Kuhkomfort geht: Den Rindern stehen dort jederzeit frei zugängliche meist eingestreute Liegeplätze zur Verfügung, es gibt Stall- und Futtergänge, auch Auslauf. Manche Betriebe bieten ihren Tieren in den gut belüfteten Ställen sogar Bürstenmassage zur Fellpflege an ? was die Rinder sich gerne gefallen lassen.
Umweltstaatssekretärin Jacqueline Kraege eröffnete die Diskussionsveranstaltung und sagte: ?Aus Sicht von Tierschutz und Tiergesundheit ist die Haltung in Boxenlaufställen eindeutig im Vorteil. Die Tiere können ihren arttypischen Verhaltensweisen nachgehen. Auch wenn Rinder etwa die Hälfte des Tages im Liegen verbringen, so entfallen doch bis zu 3 Stunden täglich auf soziale Interaktionen und diese ist hier möglich."
In Rheinland-Pfalz wurden 2007 über 6000 Rinderhalter mit rund 380.000 Rindern (davon 117.000 Milchkühe) gezählt. Nach Schätzungen werden von den Milchkühen nur noch 35 Prozent angebunden gehalten ? insbesondere in kleineren Betrieben.
Kraege: ?Die größeren Milchviehbetriebe haben bereits auf Laufstallhaltung umgestellt und es ist zu erwarten, dass nach und nach auch die kleineren nachziehen. Nicht nur aus Gründen des Tierschutzes, auch aus produktionstechnischer oder betriebswirtschaftlicher Sicht ist die Anbindehaltung ein Auslaufmodell ? etwa auch bei der Bullenmast oder der Mutterkuhhaltung. Die tierschutzgerechte Laufstallhaltung ist auch Voraussetzung für staatliche Förderung."

